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Genuss gilt nicht als deutsche Tugend / Joachim Wissler , Restaurant Vendôme

200011

3-Sterne-Koch Joachim Wissler vom Restaurant Vendôme in Bergisch Gladbach spricht mit ahgz-Autor Mathias Guthmann über sein Verhältnis zur Restaurantkritik, die Tücken von zu viel Intellekt am Herd, die verkannte deutsche Hochküche, gezielte Provokationen und einen Rockstar als Gast > ... Wenn man Ihre Gerichte betrachtet, stellt man fest, dass sie sehr durchdacht sind. Sie verbinden Kreativität mit Intellekt. Ich scheue mich etwas davor, als intellektuell gesehen zu werden, weil Kulinarik und Intellekt schnell steril oder anonym wirken, es fehlt dann der Tiefgang. Aber es ist in der Tat so, dass jedes Gericht sehr genau durchdacht wird. Man probiert, verwirft, probiert neu und macht es neu, manchmal wird die Kreation fallen gelassen. Endlich gibt es dann ein Ergebnis, das ich gut finde und das der Gast dann auch nachvollziehen kann. Das ist ein wesentlicher Bestandteil, wenn ein Gericht neu entsteht. ... Wo befindet sich die deutsche Hochküche im internationalen Vergleich? Die deutsche Hochküche wird, was ihre Qualität und das handwerkliche Können betrifft, völlig unterschätzt. Auf internationaler Ebene wird sie sogar komplett verkannt. Bezüglich ihrer Authentizität – ich spreche von der DNA der deutschen Kulinarik – hoffe ich, dass sie in einem Entwicklungsprozess ist, der dazu führt, dass die Menschen in vielen Jahren nach Deutschland kommen, um Deutschland als ein Land der Genussmenschen wahrnehmen zu können. Man soll uns nicht nur registrieren, wenn es um Disziplin, Fleiß und um das Akkurate geht, auch nicht, weil wir die besten Autos der Welt bauen. Wir werden in der Welt nicht wahrgenommen, weil der Genuss nicht als deutsche Tugend gilt. ... ff